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Enkaustik - Die Geschichte

Die aufschlussreichste Quelle der Enkaustik stellt das 35. Buch der "Historia naturalis des Gaius Plinius Secundus" dar, aus dem hervorgeht, dass in der häufigsten Technik neun bestimmte, für das Verfahren geeignete Pigmente Verwendung fanden.

Sie wurden unter Erhitzen, wahrscheinlich in einer Glutpfanne oder kalt durch Verreiben mit „punischem Wachs“ (Salz oder Meerwasser unter Beigabe von in Nitrum gekochtem Bienenwachs) vermengt und mit einem erhitzten Spachtel oder einem griffelförmigen Gerät auf die Malfläche aufgetragen. Möglichweise erwärmte man auch die Bildträger selbst. Es waren meist Holz- oder Elfenbeintafeln, seltener Tonschiefer oder Marmorplatten, mitunter auch Gewebe. Auch Grundierungen in Kreide oder Gips waren möglich.

Die wichtigsten erhaltenen Zeugnisse antiker enkaustischer Malerei sind die sogenannten Mumienportraits. Eine größere Anzahl wurde ab 1820 erstmals von Jean-Francois Champollion in der Oase Fayum, später aber auch in anderen Regionen des Niltals, wie Memphis, Assuan u.a., gefunden. Sie waren während der römischen Herrschaft entstanden und datieren aus der Zeit des 1.-4. Jahrhunderts nach Christus. Ihre Zweckbestimmung lag im ägyphtischen Grabkult begründet, ihr Stil ist jedoch hellenistisch. Im 1. Jahrhundert handelte es sich meist um enkaustische Malereien auf Holz. Im 2. – 4. Jahrhundert fand ein Übergang zu einer temperaähnlichen Technik auf Leinwand statt. Die bedeutendsten Beispiele dafür befinden sich im Katherinenkloster auf dem Berg Sinai und in Kiew. Im 7. und 8. Jahrhundert wurde die Enkaustik durch eine Temperamalerei (mit Kreide grundierte Leinwände, die auf Holz aufgezogen wurden) vollständig abgelöst.

Erst vom Ende des 16. Jahrhunderts an wurde in verschiedenen Malereiakten durch Johannes Scheffer 1969 versucht, die antike Technik der Enkaustik zu rekonstruieren. Die Entdeckung der römischen Städte Herculaneum, Pompeji und Stabiae im 18. Jahrhundert gab diesen Forschungen neuen Auftrieb.

Über die Ursachen, warum diese Technik in der Neuzeit fast keine Rolle mehr spielt, können nur Vermutungen angestellt werden. Der naheliegenste Grund dürfte neben der verschwundenen Tradition die nicht ganz einfache Behandlung des Materials sein, die den Künstler vor vielerlei Probleme stellt.

Einer der bedeutendsten Gegenwarts-Künstler, Jasper Johns, malt seine Werke vorrangig mit dieser Technik.

 

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